Anhaltender Bürgerprotest

Als Bayer im Februar 2007 den Planfeststellungsbeschluss von dem damaligen Regierungspräsident Büssow überreicht bekam, hatte der Landrat des Kreis Mettmann bereits seine „Aproximative Einschätzung“ vorgelegt, aus der die Gefährdung von Leib und Leben von mehr als 130.000 Menschen an der Pipeline-Trasse allein im Kreis Mettmann im Falle eines Lecks an der Giftgas-Leitung zu befürchten wäre. In Monheim wurde der damalige Bürgermeister Dünchheim zur „Speerspitze“ des gemeindlichen Protestes, dem sich alle Trassenbürgermeister im Kreis Mettmann unverzüglich anschlössen. Weitere Fahrt gewann der Protest mit dem Anrollen der Bagger und dem Beginn der Bauarbeiten. Im Hildener Süden startete die Siedlung am Lehmkuhlen Weg mit einem Hilferuf an alle Hildener Vereine und so auch an den BUND-Hilden. Und schon bald danach übernahm ich die Funktion des Pressekoordinators der damals noch als „Baustopp der Bayer CO-Pipeline“ gegründeten Initiative. Schon im Juni 2007 organisierten eine Handvoll Aktive die „Größte Nachkriegsdemo“ in Hilden und es wurden fast etwa 9.000 Unterschriften gegen die CO- Pipeline durch Wohngebiete an Bayer und die Bezirksregierung Düsseldorf übergeben.

 

 

Demo in Hilden – vor dem Bürger-haus in Hilden  am 16.Juni 2007

Die Wucht der Demo brachte auch die Landespolitik schnell in Aufruhr. Dabei hatte man sich das doch einfacher und so vorgestellt, dass der Protest nach einigen Monaten abflauen würde. Aber der baldige Zusammenschluss der Initiativen des Kreis Mettmann, der umliegenden Städte Düsseldorf und Solingen und auch mit der COntra-lnitiative in Duisburg zeigte bereits bei der Demo Anfang August 2007 durch die Duisburger Innenstadt Stärke und Durchhaltevermögen.

Start der Demo am Bahnhof Duisburg und Finale am Friedens-brunnen am 4. August 2007

Und immer wieder meldeten sich Bürgerinnen entlang der Trasse mit Mahnwachen, Lichterketten und weiteren Protesten auch vor dem Landtag zu Wort. Außerdem wurde die Unterschriftensammlung weiter-geführt und erreichte nicht erwartete Höhen! Hatten wir gedacht, dass die Politik schon bei 50.000 Unterstützungsunterschriften reagieren würde und wir Schluss machen könnten, wurden wir mit immer neuen Listen überhäuft. Und Anfang Oktober 2007 konnten wir bei gutem Wetter auf der Großdemo in Düsseldorf mit mehr als 4.000 Mitstreitern sogar die Besucher der Königsallee auf das Problem CO-Pipeline aufmerksam machen. Diese fühlten sich überhaupt nicht gestört, sondern begleiteten uns mit Applaus und verstärkten mit ihrer Teilnahme sogar unseren Demo-Zug. So konnten wir auf teilweise auf eine Teilnehmerzahl von 4.500 Menschen jeglichen Alters verweisen. Den Abschluss auf dem Rathausplatz konnten wegen Platzmangel leider nicht alle Mitmarschierer mehr mitmachen.

 

Groß-Demo in Düssel-dorf  am
3. Novem-ber 2007

 

 

Der den Planfeststellungsplan zu verantworten hat, war dort mit einem sehr „eigenwilligem“ Zitat zu sehen. Darin und in seinem gesamten Verhalten in diesem Verfahren wurde er seiner Aufgabe als Behörden-chef in ähnlicher Art nicht gerecht.

Mit dem von Bayer im Jahr 2012 beantragten Planänderungsverfahren wurde der Protest der Anwohner der Giftgas-Leitung noch größer. Hatte es im ursprünglichen Planfeststellungsverfahren noch etwa 100 Einwender gegeben, so musste die Bezirks-regierung zu der Planänderung wegen 24.000 Einwendungen die Anhö-rung in die Gruga-Halle in Essen verlegen. Selbstverständlich konnten nicht alle und auch noch nicht mal  10 % der Einwender*innen  tatsächlich zur Gruga in Essen an einem normalen Arbeitstag und erst recht nicht über mehrere Tage kommen und teilnehmen. Deshalb haben wir am Samstag vor dem Anhörungsstart bei einer Demo (wieder wie in 2007 vom Langenfelder Stadtteil Richrath in die Hildener Innenstadt) den Anwohner*innen vor Ort Gelegenheit gegeben, ihre Meinung zu dem geplanten Giftgastransport an ihren Häusern ( häufig über ihre Grundstücke), an Kindergärten, an Schulen und  Altenheimen) vorbei, zu verdeutlichen.

Demo vor der Anhörung zum Planänderungsverfahren
am 2. November 2013  in Hilden